|
Servus
"Nephesus". 2007 sprachen wir über dein Vorgänger
Album "Odium" damals hattest du noch bei Fullmoonfuneral Productions
einen Vertrag, heute sieht es anders aus, neues Label (Pestilence Records)
neue Scheibe "Wrecked Human Deathcult", wie kam es zu dem
Wechsel und gibt es Vorteile für LOST LIFE?
Der
Wechsel kam dadurch zustande, dass sich Fullmoonfuneral Productions
aufgelöst und das Label Galgenstrang gegründet hat. Pestilence
Records hat mich schon 2006 nach einem Konzert persönlich nach
einer Zusammenarbeit gefragt, was ich damals abgelehnt habe. Später
kam ich auf sie zurück, weil ich mit meiner zweiten Band auf der
Suche nach einem Label war und so kam es zur Zusammenarbeit, die dann
durch "Wrecked Human Deathcult" mit LOST LIFE weiter ausgebaut
wurde. Der Schritt hat mir einiges gebracht, ich habe gegenüber
dem vorherigen Label einen größeren finanziellen Spielraum
durch Produktionskostenübernahme und eine größere Auflagenzahl
als bisher und es gibt mehrere Sachen, die einfach besser passen als
vorher. Zudem gibt es auch über Pestilence Patches und neue Shirts.
Bevor wir über das Album sprechen muss ich als Salzburger natürlich
auch die Frage stellen wie Dir denn Salzburg Rock City gefällt,
die Frage kommt ja nicht von ungefähr
?
Naja, in Salzburg geht es im Nachtleben schon ziemlich ab, was ich dort
kenne sind einige Kneipen/v.a. Pubs am Rudolfskai, das Schnaitl und
den Cave, wo ich ab und zu bei Konzerten bin. Salzburg hat einen sehr
eigenen Flair, ich mag auch die Stadt selbst und bin dort auch gerne
am Tag unterwegs. Auf jeden Fall gibt es viel zu sehen.
Frage
am Rande, sieht man sich als Bad Tölzer (Bayern) gerne den Dicken
Bullen in der Glotze an oder geht einen so eine Serie am Arsch vorbei?
Klar schau ich mir das ab und zu mal an, die Serie kommt manchmal am
Sonntag vormittag und wenn ich die Augen aufmache, ist das seichte Unterhaltung
am morgen, was mir an dem Tag zu dieser Zeit ganz recht ist. Es kommt
gelegentlich vor, dass man am Drehset vorbeilaufen oder fahren muss,
weil hier recht viel gedreht wird, nicht nur für den Bullen von
Tölz. Das erste Mal drehst du dich noch mal zum Schauen um, mittlerweile
ist mir das komplett egal.
"Wrecked
Human Deathcult" ist sehr melodisch ausgefallen, starke Leistung
wenn man bedenkt das du sozusagen alles alleine fabrizierst, bis auf
das Schlagwerk welches von 2 Session Drumer eingespielt wird, wie viel
Zeit hast du von der Idee bis zur Musikalischen Umsetzung und dem Endprodukt
gebraucht?
Alles in Allem hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis
ich die Sachen fertig geschrieben und die fertige Aufnahme in den Händen
gehalten hab. Alleine die Aufnahme selbst hat wesentlich mehr Zeit in
Anspruch genommen, als ich gedacht habe. Zudem muss man die Lieder mit
den Musikern intensiv einstudieren, was auch noch einen enormen Zeitaufwand
mit sich bringt. Ich habe das aber weitgehend umgangen, indem ich den
Drummern die Lieder mit Drumcomputer fertig aufgenommen in die Hand
gedrückt habe damit sie sich meine Vorstellung und den Ablauf von
den Liedern ins Hirn brennen konnten. Das hat einiges an Zeit gekostet.
Ich habe mir bei den Aufnahmen und beim Mix und Mastering allerdings
so viel Zeit gelassen wie noch nie. Ich habe alles selbst aufgenommen,
gemixt und gemastered, so hat man danach alle Zeit und Möglichkeiten
solange daran zu feilen, bis man zum gewünschten Ergebnis kommt.
Bei
"Odium" hast du noch das Schlagwerk aus der Konserve benutzt,
hat LOST LIFE das Drumer Problem nun in den Griff bekommen, denn wie
schon erwähnt halfen diesmal "Grond und Malphas" aus?
Ich finde die Bezeichnung Problem in dem Zusammenhang unpassend, weil
es keins ist und keins gegeben hat. Das einzige Problem waren meine
fehlenden Skills und die mangelnde Dynamik beim Drumcomputer. Grond
arbeitet jetzt schon Ewigkeiten bei Lost Life als Live-Drummer mit und
jetzt auch zum zweiten mal auf CD. Ich bin immer total zufrieden mit
seiner Arbeit und er ist auch ein Mensch mit dem ich sonst viel anfangen
kann. Da ich auch seit einiger Zeit mit Malphas zusammen Musik mache
und seine speziellen Fähigkeiten am Schlagzeug kennengelernt habe,
entschloss ich mich dazu, meine Songs auf die beiden aufzuteilen, je
nach Richtung.
Ich hoffe auch, dass Grond in Zukunft weiterhin in der Livebesetzung
mitmachen wird, weil es immer gut gepasst hat.
Welche
Idee, Konzept steckt hinter "Wrecked Human Deathcult", den
teils wirkt die Musik sehr emotional also gefühlsbetont?
Das ist sehr kompliziert zu erklären. Zunächst gab es viele
Kulturen, die einen Totenkult pflegten, unter anderem indem sie Menschen
von Geburt an erzogen, irgendwann geopfert zu werden, also ums Leben
zu kommen. Solche Kulte gibt es vermutlich nicht mehr, und wenn, dann
nicht mehr in dem Ausmaß, allerdings nicht so in unserer westlichen
Welt. Wir leben im Individualismus, jeder macht sein eigenes Ding. Nun
geht es beim Titel "Wrecked Human Deathcult" darum, dass ein
einzelner Mensch sich so zugrunde richten kann, dass er einen "westlichen"
Totenkult lebt, da es sich auch um eine Phase handelt, indem ein Mensch
sich zunächst so zerstört dass es sich letztendlich um selbst
verschuldeten Tod handelt. Der "Wrecked Human Deathcult" ist
anders als der der früheren Kulturen, er ist egozentriert und an
keine gesellschaftlichen Formen und Glauben gebunden. Es handelt sich
um die freie Entscheidung durch sein Handeln sein Leben Schritt für
Schritt durch selbstzerstörerischem Verhalten zu beenden, und jegliche
Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen
komplett abzulehnen.
Vor
einem Jahr sprachen wir darüber das sich Black Metal zu einer Art
Trend entwickelt, du hast dies verneint mit dem Argument das nur VENOM
richtig Geld machte, siehst du das heute auch noch so, abgesehen vom
Untergrund, verdienen doch die Genre Größen ala SATYRICON,
GORGOROTH, DIMMU BORGIR und Konsorten doch eine schöne Stange Geld
mit ihrer Musik?
Ja, das stimmt. Dimmu Borgir haben momentan anscheinend ja das große
Los gezogen, Bushido zu verklagen um damit mächtig absahnen zu
können. Vor einem Monat war ich auch auf einem Satyricon-Konzert
in München und hab hautnah erleben dürfen, was es heißt,
ein "Black Metal Popstar" zu sein. Die Inszenierung des ganzen
Schauspiels hat nichts mehr mit dem Ursprung zu tun. Ich nehme an, dass
viele der Bands von ihrer Musik Leben können, aber man darf nicht
vergessen, dass es dabei keine Shooting-Stars gibt, sondern sie sich
die Möglichkeit damit Kohle zu machen selbst und vor allem hart
erarbeitet haben.
Rein
aus dem Idealismus heraus spielen doch sowieso nur Underground Bands,
da stellt sich mir die Frage, sind wirklich alle Käuflich, wie
wäre es wenn LOST LIFE die Möglichkeit hätten bei einem
Major Label zu unterschreiben, ist es Moralisch verwerflich von seiner
Musik leben zu können?
Nein,
das ist es nicht, wie ich vorher bereits genannt habe. Wenn man etwas
kombinieren kann, wie jetzt zum Beispiel Musik, die man gerne macht
und Arbeit, ist das auf den ersten Blick eine gute Sache. Nur was hat
man dann für Leidenschaften? Ich denke man fühlt sich in einer
solchen Position schnell leer. Moralisch verwerflich ist es nicht, ich
höre mir sowas normalerweise aber auch nicht an, weswegen ich eine
solche Möglichkeit ablehnen würde.
Woran
liegt es das momentan viele Black Metal Bands Depressivität und
Suizid zu ihrem Aushängeschild machen?
Bei
der zweiten Welle des Black Metal waren genau diese Sachen auch stets
präsent, nur kamen noch einige andere Werte hinzu, was den Black
Metal recht vielfältig gemacht hat. Es ist wohl ein momentaner
Trend, der sich aus einem gesellschaftlichen Kontext entwickelt hat.
Black Metal hat sich doch seit jeher in irgendwelche Richtungen entwickelt,
wie Pagan-, Depressive-, Death-Black-Metal. Ich weiß nicht woher
das kommt, interessiert mich auch nicht. Vergleichbar ist das alles
mit dem ganzen Emo-Zeugs, depressiver Black Metal ist das Pendant dazu,
was ich nicht unbedingt gutheißen kann. Im übrigen habe ich
selbst niemals behauptet meine Musik wäre Suicide-/Depressive-Black
Metal. Meine Musik war für mich stets roher Black Metal. Wenn jemand
behauptet, dass es Depressive Black Metal oder etwas vergleichbares
ist, dann ist das für mich in Ordnung, soviel Freiheit gestehe
ich dem Hörer schon zu.
Liegt
es am Bürgerlichen Leistungsdruck? Kann man hier schon von einem
Subgenre innerhalb des Black Metals sprechen?
Natürlich
kann man von einem Subgenre innerhalb des Black Metals sprechen, es
ist ja mittlerweile so, dass sich die Hörerschaft teilweise nicht
mal leiden kann. Aber am bürgerlichen Leistungsdruck liegt es denke
ich nicht, dafür geht es allen Westeuropäern noch viel zu
gut. Wenn man von einem Leistungsdruck sprechen kann dann nur von dem
Druck den sich die Leute selbst machen, weil sie Idioten sind. Man ist
letztendlich selbst daran schuld, ob man überhaupt Stress im Sinne
von Leistungsdruck hat und braucht den Ursprung dafür nicht in
der Gesellschaft an sich zu suchen. Wenn man nach einem Grund für
das ganze Depressive sucht, dann findet man ihn wohl eher am genauen
Gegenteil, nämlich Langeweile und Wohlstand. Dampf lässt man
mit anderen Sachen ab aber nicht mit Rumgejammer.
Abgerundet
wird dein Album mit einem Cover Stück der Band SILENCER aus Schweden
"Death, Pierce Me" weshalb dieser Track und diese Band?
Weil
dieses Lied ein unglaublich starkes Stück Musik gepaart mit Emotionen
ist. Es wurde bereits mehrfach bei Lost Life Konzerten live gespielt,
aber ich habe mehrfach feststellen müssen, dass dieses Lied so
nicht funktioniert. Daher habe ich beschlossen, es als Bonus mit auf
das Album zu holen. Mit Silencer konnte ich, als damals die CD über
Prophecy zum ersten mal veröffentlicht wurde, überhaupt nichts
anfangen. Ich hab die CD weggelegt und sie ist erst mal ein paar Jahre
verstaubt. Irgendwann habe ich sie vor ca. 1 1/2 Jahren wieder rausgekramt
und war absolut davon überzeugt, dass diese CD einfach Zeit braucht,
da sie ein absoluter Meilenstein in ihrem Genre ist. Die Band selbst
interessiert mich relativ wenig, ich gehe sowieso davon aus, dass so
gut wie alles über sie erfunden worden ist. Das Nachfolgeprojekt
von Silencer finde ich auch nicht so gut, weil es einfach nicht an die
Intensität von "Death, Pierce Me" rankommt.
Würdigt
die Fachpresse dein erschaffen nicht oder verstehen die deine Kunst
nicht richtig (Blick auf Metal.de Review), mittelmäßig, peinlichem
Gegrölsingsang, Standard-Black-Metal, emotionslos heruntergeleiert,
sind einige der Worte die dieser Rezensent benutzt, klar ist Musik Geschmacks/Ansichtssache
aber für einen Rezensenten der Black Metal Scheiben bearbeitet
sollte man durchaus erwarten das es neben Shining, Marduk und Immortal
auch Individualisten gibt und diese anständig bewerten
ich
glaub mich nerven diese Redakteure noch viel mehr als Dich oder was
denkst du über solche Kritiken?
Natürlich
würdigt die Fachpresse mein Schaffen nicht, weil der Großteil
der Schreiber keinen Zugang zu der Scheibe finden kann. Das ist mir
aber insofern egal, als dass diese CD für mich momentan DER Höhepunkt
meines kreativen Schaffens ist. Trotzdem erwische ich mich selbst dabei,
wie ich mich dann über Reviews aufrege. Erik von myrrthronth.de
schrieb kein Review sondern nur einen Blog, in dem er sagt, die Scheibe
wäre Rohstoffverschwendung. Und bei sowas ist dann der Ofen defintiv
aus. Ich arbeite ein Jahr lang hart an einer Scheibe, stecke viel Zeit
und noch mehr Herzblut rein und dann muss ich so einen Scheiss lesen.
Odium hat bereits sehr polarisiert aber WHD schießt jetzt den
Vogel absolut ab. Allerdings habe ich letztens ein Review gelesen wie
ich es mir gewünscht habe, meine Intention wie das Album zu verstehen
ist ziemlich auf den Punkt gebracht. Da war eben genau das Gegenteil
zu lesen, nichts von wegen Mittelmäßigkeit oder Emotionslosigkeit,
sondern peinlich berührende Emotionen, Authentizität und nicht
leicht zugänglich. Liebe Schreiberlinge: Genau DAS steckt dahinter,
so ist es gemeint. Vielleicht braucht die CD erst mal die Zeit die ich
auch für Silencer gebraucht habe, aber danach wird das Potential
erkannt und gewürdigt. Das wird sie zwar teilweise jetzt schon,
aber es überwiegt die Meinung, die Scheibe sei Müll. Höher
als mittelmäßig wird sie nicht bewertet.
Zum
Abschluss die bekannte Standart Frage, was wird es in naher/ferner Zukunft
neues geben und wann spielt ihr in Österreich?
Musikalisch
gibt es die nächsten Monate nichts, allerdings gibt es aktuell
neue LOST LIFE-Shirts, die ihr euch holen müsst, und zwei Konzerte
sind schon für's Frühjahr bestätigt! Weitere werden folgen.
Wir spielen dann in Österreich, wenn wir dazu gebeten werden. Also,
Österreicher: Konzertanfragen an mich schicken! Alles andere läuft
dann von alleine...
|