LOST LIFE
geführt mit "Nephesus"
- Montag, 02.02.2009

http://www.myspace.com/lostlife666

Servus "Nephesus". 2007 sprachen wir über dein Vorgänger Album "Odium" damals hattest du noch bei Fullmoonfuneral Productions einen Vertrag, heute sieht es anders aus, neues Label (Pestilence Records) neue Scheibe "Wrecked Human Deathcult", wie kam es zu dem Wechsel und gibt es Vorteile für LOST LIFE?
Der Wechsel kam dadurch zustande, dass sich Fullmoonfuneral Productions aufgelöst und das Label Galgenstrang gegründet hat. Pestilence Records hat mich schon 2006 nach einem Konzert persönlich nach einer Zusammenarbeit gefragt, was ich damals abgelehnt habe. Später kam ich auf sie zurück, weil ich mit meiner zweiten Band auf der Suche nach einem Label war und so kam es zur Zusammenarbeit, die dann durch "Wrecked Human Deathcult" mit LOST LIFE weiter ausgebaut wurde. Der Schritt hat mir einiges gebracht, ich habe gegenüber dem vorherigen Label einen größeren finanziellen Spielraum durch Produktionskostenübernahme und eine größere Auflagenzahl als bisher und es gibt mehrere Sachen, die einfach besser passen als vorher. Zudem gibt es auch über Pestilence Patches und neue Shirts.


Bevor wir über das Album sprechen muss ich als Salzburger natürlich auch die Frage stellen wie Dir denn Salzburg Rock City gefällt, die Frage kommt ja nicht von ungefähr…?

Naja, in Salzburg geht es im Nachtleben schon ziemlich ab, was ich dort kenne sind einige Kneipen/v.a. Pubs am Rudolfskai, das Schnaitl und den Cave, wo ich ab und zu bei Konzerten bin. Salzburg hat einen sehr eigenen Flair, ich mag auch die Stadt selbst und bin dort auch gerne am Tag unterwegs. Auf jeden Fall gibt es viel zu sehen.

Frage am Rande, sieht man sich als Bad Tölzer (Bayern) gerne den Dicken Bullen in der Glotze an oder geht einen so eine Serie am Arsch vorbei?
Klar schau ich mir das ab und zu mal an, die Serie kommt manchmal am Sonntag vormittag und wenn ich die Augen aufmache, ist das seichte Unterhaltung am morgen, was mir an dem Tag zu dieser Zeit ganz recht ist. Es kommt gelegentlich vor, dass man am Drehset vorbeilaufen oder fahren muss, weil hier recht viel gedreht wird, nicht nur für den Bullen von Tölz. Das erste Mal drehst du dich noch mal zum Schauen um, mittlerweile ist mir das komplett egal.

"Wrecked Human Deathcult" ist sehr melodisch ausgefallen, starke Leistung wenn man bedenkt das du sozusagen alles alleine fabrizierst, bis auf das Schlagwerk welches von 2 Session Drumer eingespielt wird, wie viel Zeit hast du von der Idee bis zur Musikalischen Umsetzung und dem Endprodukt gebraucht?
Alles in Allem hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich die Sachen fertig geschrieben und die fertige Aufnahme in den Händen gehalten hab. Alleine die Aufnahme selbst hat wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich gedacht habe. Zudem muss man die Lieder mit den Musikern intensiv einstudieren, was auch noch einen enormen Zeitaufwand mit sich bringt. Ich habe das aber weitgehend umgangen, indem ich den Drummern die Lieder mit Drumcomputer fertig aufgenommen in die Hand gedrückt habe damit sie sich meine Vorstellung und den Ablauf von den Liedern ins Hirn brennen konnten. Das hat einiges an Zeit gekostet. Ich habe mir bei den Aufnahmen und beim Mix und Mastering allerdings so viel Zeit gelassen wie noch nie. Ich habe alles selbst aufgenommen, gemixt und gemastered, so hat man danach alle Zeit und Möglichkeiten solange daran zu feilen, bis man zum gewünschten Ergebnis kommt.

Bei "Odium" hast du noch das Schlagwerk aus der Konserve benutzt, hat LOST LIFE das Drumer Problem nun in den Griff bekommen, denn wie schon erwähnt halfen diesmal "Grond und Malphas" aus?
Ich finde die Bezeichnung Problem in dem Zusammenhang unpassend, weil es keins ist und keins gegeben hat. Das einzige Problem waren meine fehlenden Skills und die mangelnde Dynamik beim Drumcomputer. Grond arbeitet jetzt schon Ewigkeiten bei Lost Life als Live-Drummer mit und jetzt auch zum zweiten mal auf CD. Ich bin immer total zufrieden mit seiner Arbeit und er ist auch ein Mensch mit dem ich sonst viel anfangen kann. Da ich auch seit einiger Zeit mit Malphas zusammen Musik mache und seine speziellen Fähigkeiten am Schlagzeug kennengelernt habe, entschloss ich mich dazu, meine Songs auf die beiden aufzuteilen, je nach Richtung.
Ich hoffe auch, dass Grond in Zukunft weiterhin in der Livebesetzung mitmachen wird, weil es immer gut gepasst hat.

Welche Idee, Konzept steckt hinter "Wrecked Human Deathcult", den teils wirkt die Musik sehr emotional also gefühlsbetont?
Das ist sehr kompliziert zu erklären. Zunächst gab es viele Kulturen, die einen Totenkult pflegten, unter anderem indem sie Menschen von Geburt an erzogen, irgendwann geopfert zu werden, also ums Leben zu kommen. Solche Kulte gibt es vermutlich nicht mehr, und wenn, dann nicht mehr in dem Ausmaß, allerdings nicht so in unserer westlichen Welt. Wir leben im Individualismus, jeder macht sein eigenes Ding. Nun geht es beim Titel "Wrecked Human Deathcult" darum, dass ein einzelner Mensch sich so zugrunde richten kann, dass er einen "westlichen" Totenkult lebt, da es sich auch um eine Phase handelt, indem ein Mensch sich zunächst so zerstört dass es sich letztendlich um selbst verschuldeten Tod handelt. Der "Wrecked Human Deathcult" ist anders als der der früheren Kulturen, er ist egozentriert und an keine gesellschaftlichen Formen und Glauben gebunden. Es handelt sich um die freie Entscheidung durch sein Handeln sein Leben Schritt für Schritt durch selbstzerstörerischem Verhalten zu beenden, und jegliche Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen komplett abzulehnen.

Vor einem Jahr sprachen wir darüber das sich Black Metal zu einer Art Trend entwickelt, du hast dies verneint mit dem Argument das nur VENOM richtig Geld machte, siehst du das heute auch noch so, abgesehen vom Untergrund, verdienen doch die Genre Größen ala SATYRICON, GORGOROTH, DIMMU BORGIR und Konsorten doch eine schöne Stange Geld mit ihrer Musik?
Ja, das stimmt. Dimmu Borgir haben momentan anscheinend ja das große Los gezogen, Bushido zu verklagen um damit mächtig absahnen zu können. Vor einem Monat war ich auch auf einem Satyricon-Konzert in München und hab hautnah erleben dürfen, was es heißt, ein "Black Metal Popstar" zu sein. Die Inszenierung des ganzen Schauspiels hat nichts mehr mit dem Ursprung zu tun. Ich nehme an, dass viele der Bands von ihrer Musik Leben können, aber man darf nicht vergessen, dass es dabei keine Shooting-Stars gibt, sondern sie sich die Möglichkeit damit Kohle zu machen selbst und vor allem hart erarbeitet haben.

Rein aus dem Idealismus heraus spielen doch sowieso nur Underground Bands, da stellt sich mir die Frage, sind wirklich alle Käuflich, wie wäre es wenn LOST LIFE die Möglichkeit hätten bei einem Major Label zu unterschreiben, ist es Moralisch verwerflich von seiner Musik leben zu können?
Nein, das ist es nicht, wie ich vorher bereits genannt habe. Wenn man etwas kombinieren kann, wie jetzt zum Beispiel Musik, die man gerne macht und Arbeit, ist das auf den ersten Blick eine gute Sache. Nur was hat man dann für Leidenschaften? Ich denke man fühlt sich in einer solchen Position schnell leer. Moralisch verwerflich ist es nicht, ich höre mir sowas normalerweise aber auch nicht an, weswegen ich eine solche Möglichkeit ablehnen würde.

Woran liegt es das momentan viele Black Metal Bands Depressivität und Suizid zu ihrem Aushängeschild machen?
Bei der zweiten Welle des Black Metal waren genau diese Sachen auch stets präsent, nur kamen noch einige andere Werte hinzu, was den Black Metal recht vielfältig gemacht hat. Es ist wohl ein momentaner Trend, der sich aus einem gesellschaftlichen Kontext entwickelt hat. Black Metal hat sich doch seit jeher in irgendwelche Richtungen entwickelt, wie Pagan-, Depressive-, Death-Black-Metal. Ich weiß nicht woher das kommt, interessiert mich auch nicht. Vergleichbar ist das alles mit dem ganzen Emo-Zeugs, depressiver Black Metal ist das Pendant dazu, was ich nicht unbedingt gutheißen kann. Im übrigen habe ich selbst niemals behauptet meine Musik wäre Suicide-/Depressive-Black Metal. Meine Musik war für mich stets roher Black Metal. Wenn jemand behauptet, dass es Depressive Black Metal oder etwas vergleichbares ist, dann ist das für mich in Ordnung, soviel Freiheit gestehe ich dem Hörer schon zu.

Liegt es am Bürgerlichen Leistungsdruck? Kann man hier schon von einem Subgenre innerhalb des Black Metals sprechen?
Natürlich kann man von einem Subgenre innerhalb des Black Metals sprechen, es ist ja mittlerweile so, dass sich die Hörerschaft teilweise nicht mal leiden kann. Aber am bürgerlichen Leistungsdruck liegt es denke ich nicht, dafür geht es allen Westeuropäern noch viel zu gut. Wenn man von einem Leistungsdruck sprechen kann dann nur von dem Druck den sich die Leute selbst machen, weil sie Idioten sind. Man ist letztendlich selbst daran schuld, ob man überhaupt Stress im Sinne von Leistungsdruck hat und braucht den Ursprung dafür nicht in der Gesellschaft an sich zu suchen. Wenn man nach einem Grund für das ganze Depressive sucht, dann findet man ihn wohl eher am genauen Gegenteil, nämlich Langeweile und Wohlstand. Dampf lässt man mit anderen Sachen ab aber nicht mit Rumgejammer.

Abgerundet wird dein Album mit einem Cover Stück der Band SILENCER aus Schweden "Death, Pierce Me" weshalb dieser Track und diese Band?
Weil dieses Lied ein unglaublich starkes Stück Musik gepaart mit Emotionen ist. Es wurde bereits mehrfach bei Lost Life Konzerten live gespielt, aber ich habe mehrfach feststellen müssen, dass dieses Lied so nicht funktioniert. Daher habe ich beschlossen, es als Bonus mit auf das Album zu holen. Mit Silencer konnte ich, als damals die CD über Prophecy zum ersten mal veröffentlicht wurde, überhaupt nichts anfangen. Ich hab die CD weggelegt und sie ist erst mal ein paar Jahre verstaubt. Irgendwann habe ich sie vor ca. 1 1/2 Jahren wieder rausgekramt und war absolut davon überzeugt, dass diese CD einfach Zeit braucht, da sie ein absoluter Meilenstein in ihrem Genre ist. Die Band selbst interessiert mich relativ wenig, ich gehe sowieso davon aus, dass so gut wie alles über sie erfunden worden ist. Das Nachfolgeprojekt von Silencer finde ich auch nicht so gut, weil es einfach nicht an die Intensität von "Death, Pierce Me" rankommt.

Würdigt die Fachpresse dein erschaffen nicht oder verstehen die deine Kunst nicht richtig (Blick auf Metal.de Review), mittelmäßig, peinlichem Gegrölsingsang, Standard-Black-Metal, emotionslos heruntergeleiert, sind einige der Worte die dieser Rezensent benutzt, klar ist Musik Geschmacks/Ansichtssache aber für einen Rezensenten der Black Metal Scheiben bearbeitet sollte man durchaus erwarten das es neben Shining, Marduk und Immortal auch Individualisten gibt und diese anständig bewerten… ich glaub mich nerven diese Redakteure noch viel mehr als Dich oder was denkst du über solche Kritiken?
Natürlich würdigt die Fachpresse mein Schaffen nicht, weil der Großteil der Schreiber keinen Zugang zu der Scheibe finden kann. Das ist mir aber insofern egal, als dass diese CD für mich momentan DER Höhepunkt meines kreativen Schaffens ist. Trotzdem erwische ich mich selbst dabei, wie ich mich dann über Reviews aufrege. Erik von myrrthronth.de schrieb kein Review sondern nur einen Blog, in dem er sagt, die Scheibe wäre Rohstoffverschwendung. Und bei sowas ist dann der Ofen defintiv aus. Ich arbeite ein Jahr lang hart an einer Scheibe, stecke viel Zeit und noch mehr Herzblut rein und dann muss ich so einen Scheiss lesen. Odium hat bereits sehr polarisiert aber WHD schießt jetzt den Vogel absolut ab. Allerdings habe ich letztens ein Review gelesen wie ich es mir gewünscht habe, meine Intention wie das Album zu verstehen ist ziemlich auf den Punkt gebracht. Da war eben genau das Gegenteil zu lesen, nichts von wegen Mittelmäßigkeit oder Emotionslosigkeit, sondern peinlich berührende Emotionen, Authentizität und nicht leicht zugänglich. Liebe Schreiberlinge: Genau DAS steckt dahinter, so ist es gemeint. Vielleicht braucht die CD erst mal die Zeit die ich auch für Silencer gebraucht habe, aber danach wird das Potential erkannt und gewürdigt. Das wird sie zwar teilweise jetzt schon, aber es überwiegt die Meinung, die Scheibe sei Müll. Höher als mittelmäßig wird sie nicht bewertet.

Zum Abschluss die bekannte Standart Frage, was wird es in naher/ferner Zukunft neues geben und wann spielt ihr in Österreich?
Musikalisch gibt es die nächsten Monate nichts, allerdings gibt es aktuell neue LOST LIFE-Shirts, die ihr euch holen müsst, und zwei Konzerte sind schon für's Frühjahr bestätigt! Weitere werden folgen. Wir spielen dann in Österreich, wenn wir dazu gebeten werden. Also, Österreicher: Konzertanfragen an mich schicken! Alles andere läuft dann von alleine...